With the images of her series “Perchance to Dream”, photographer Eva Brunner transports us into a world between fantasy and reality, between authenticity and mise-en-scène. As if in a daydream, we embark on a journey with ever-changing sceneries in urban spaces and natural worlds, always at the intersection between privateness and the public sphere. Her companion and simultaneously the main protagonist in this exploration of a “theatre of real life” is her life partner. Constantly present in the flow of images, he assumes various roles, both as Bernhard and in his transidentity as Barbara. The special quality of “Perchance to Dream” lies in the fact that it depicts fleeting moments of everyday life with the same intensity as the theatrical stagings of a transsexuality. There is no clearly defined boundary between identities. Just as there is much truth in disguise, the unadorned is full of secrets.

Especially in photography — a medium closely tied to the depiction of reality — there is usually a pedantic distinction between a documentary position, a truthful representation of the world of life on the one hand, and an artistic concept of orchestration that detaches itself from specific references to reality, on the other. Breaking away from these limitations in dealing with photography is an important prerequisite for developing a highly subjective, personal visual language. It is this visual language which allows the photographer to walk the fine line between seeing and imagining, between distance and intimacy, to draw a picture of her partner which is alive in the sense that it is not purged of all contradictions and paradoxes. (Text by Wolfgang Zurborn, Translation: Daniel Aldridge)

Mit ihren Bildern der Serie »Perchance to Dream« entführt uns die Fotografin Eva Brunner in eine Welt zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen Authentizität und Inszenierung. Wie in einem Tagtraum gehen wir auf eine Reise mit ständig wechselnden Szenerien in urbanen Räumen und Naturwelten, immer auf der Schnittstelle von Privatheit und Öffentlichkeit. Der Begleiter und zugleich Hauptdarsteller bei dieser Erkundung eines ›Theaters des realen Lebens‹ ist ihr Lebenspartner Bernhard Kempen. Permanent präsent im Fluss der Bilder nimmt er dabei unterschiedliche Rollen an als Bernhard und in seiner Transidentität als Barbara. Die besondere Qualität der Arbeit »Perchance to Dream« liegt darin, flüchtige Momente des Alltagslebens in der gleichen Intensität darzustellen wie die theatralischen Inszenierungen einer ›Transsexualität‹. Es gibt keine klar definierte Trennung zwischen den Identitäten. Wie in der Verkleidung viel Wahrheit steckt, so ist das Ungeschminkte voller Geheimnisse.

Das Begreifen des Lebens in all seinen Windungen ist für Eva Brunner weniger ein rationaler Akt, als vielmehr eine körperliche Erfahrung. Ihr Protagonist ertastet eher den Raum, als dass er ihn repräsentativ füllt. Er erscheint zugleich verletzlich und kraftvoll sowie nachdenklich und extrovertiert. Die unterschiedlichen Gefühlszustände werden dabei nicht wie bei konventioneller Porträtfotografie vorrangig in der Physiognomie des Dargestellten sichtbar, sondern vielmehr in der Sprache des Körpers und in der Choreografie der Hände. Die Fotografin führt dabei keine strenge Regie. Sie sucht nicht nach exakt vorgeplanten Bildwelten, sondern bleibt offen für das Unerwartete, provoziert den Zufall, in dem sich in einer glücklichen Fügung, innere Bilder mit der äußeren Wirklichkeit decken. Die intuitive Wahrnehmung beim Akt des Fotografierens und die bewusste Schichtung verschiedener Erzählebenen beim Prozess des Editierens, lässt ein Narrativ entstehen, das keiner linearen Logik folgt, aber in seiner visuellen Stringenz ein Vertrauen schafft, sich fallen lassen zu können in den Strom der Bilder. (Text: Wolfgang Zurborn)

Perchance to dream #1, 2016
Perchance to dream #1, 2016
Perchance to dream #1, 2016
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